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Wenn die Angst den Alltag beherrscht

Von der häufigsten psychischen Erkrankung

 
„Alles drehte sich, ihre Arme kribbelten, sie verlor das Gefühl in den Beinen; so fühlt sich Sterben an, dachte sie, genau so: der Körper stellt Stück für Stück seine Funktionen ein.“ Ada heißt die junge Frau, von der hier die Rede ist, und sie ist die Hauptfigur in dem Roman „Wurfschatten“ von Simone Lappert. Nicht nur in ihren Träumen stirbt Ada jede Nacht aufs Neue, auch tagsüber beherrscht sie die Todesangst. Sie hat eine Angststörung – und leidet damit unter der häufigsten psychischen Erkrankung.
 

Eselsohren / photocase

Eselsohren / photocase

Umfragen zufolge sind etwa 14 Prozent der Erwachsenen in Deutschland davon betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Es werden verschiedene Formen unterschieden: Panikstörungen, Phobien und generalisierte Angststörungen. Allen gemeinsam sind Symptome wie innere Unruhe, körperliche Anspannung und Schlafstörungen. Auch Schwindel, Herzrasen und Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.
 
Bei Ada führt die Angst dazu, dass sie immer seltener ihre Wohnung verlässt und sich zunehmend isoliert – Freundschaften zerbrechen, ihre Karriere als Schauspielerin ist gefährdet. Dieser Teufelskreis, der sie immer stärker in ihrem Leben einschränkt, dürfte vielen Betroffenen nur zu gut bekannt sein.
 
Sie entwickeln eine Angst vor der Angst und verwenden viel Energie, Situationen zu meiden, in denen sie ihren Gefühlen ausgeliefert sind. Diese Strategie verstärkt das Problem aber auf Dauer nur und so ziehen sie sich zurück; soziale Vereinsamung, Depressionen und sogar Selbstmordgedanken können die Folgen sein. Eine Abwärtsspirale, die nur zaghaft thematisiert wird, wenn überhaupt.
 
Grund für das Schweigen ist oftmals Scham, denn es ist schwer, dem Umfeld eine grundlose Angst verständlich zu machen. So geht es auch Ada: „Es gab keinen Grund für die Angst, keinen, auf den sie hätte zeigen können. Hätte sie eine Narbe gehabt, vom Brustbein bis zum Bauchnabel, oder ein Närbchen ganz dicht neben dem Auge, hätte sie sagen können: ,Deshalb, seit damals.‘ Und dann wäre genickt und verstanden worden, und auch sie selbst hätte sich zunicken und sich verstehen können.“
 

Doch was kann man tun?

 
Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von Verhaltens- über tiefenpsychologische Therapie bis zu Medikation. Auch die unzähligen Angebote zu Entspannungstechniken, sei es autogenes Training oder Yoga, können helfen. Hierbei muss jeder für sich herausfinden, was gut tut und was nicht. In jedem Falle aber ist es der erste wichtige Schritt, das Schweigen zu brechen.
 
Bei aller Ernsthaftigkeit, mit der Simone Lappert ihre Hauptfigur beschreibt, ist „Wurfschatten“ aber auch äußerst unterhaltsam. Denn dieser Roman ist ebenso die Geschichte einer Liebe und einer Frau, die sich aller Widrigkeiten zum Trotz entschließt, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Ein Buch mit viel Sinn für Humor, das Mut machen kann – und anlässlich der Umfrage verlost wird!
 
 
M. Berg