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Wer hat Angst vor…

Über die natürlichste Sache der Welt

 

Es muss nicht der Schwarze Mann sein, der eigene Tod oder der eines geliebten Menschen. Angst ist facettenreich und ein instinktives Gefühl, das jedem bekannt ist – und, in seinem evolutionären Ursprung, gleichzusetzen mit dem Gefühl von Hunger oder Durst. Nur schlimmer, akuter und unkontrollierbarer. Angst an sich ist auch nicht falsch, ist sogar wichtig und beschützt uns vor möglichen Fehltritten. So mag eine natürliche Angst vor Höhen davor bewahren, sich – sprichwörtlich – zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Bringen wir diese Angst aber nicht durch rationale Gedanken unter Kontrolle oder hat diese Angst uns gar einmal nicht beschützt (und es kam zum Fenstersturz), kann sich diese Empfindung in eine Phobie steigern.

 

Inkje/ photocase.de

Im Sprachgebrauch ist es wichtig, zwischen Angst und Phobie zu unterscheiden, da beide Begriffe häufig synonym verwendet werden. Das ist etwa vergleichbar mit Personen, die kurzfristig unter Kopfschmerzen leiden, diese aber als Migräne bezeichnen. Zwar empfinden die Betroffenen den konkreten Schmerz als schlimm, manch einer empfindet dadurch aber eine Banalisierung der tatsächlichen, chronischen Migräneanfälle. Anders herum seien aber auch die tatsächlichen Migräne-Patienten beziehungsweise Phobiker davor gewarnt, Ausreden zu finden, ihre Angst leichtfertig abzutun und ihr Leben somit von der Phobie bestimmen zu lassen.

 
Um eine Phobie handelt es sich nämlich dann, wenn der Alltag von der Furcht bestimmt und eingeschränkt wird und die Reaktion unverhältnismässig zu der Ursache ist. Auch hier gibt es wieder Abstufungen – wer beispielsweise unter einer Anatidaephobie (Angst vor starrenden Enten) leidet, kommt trotz der Phobie recht gut durch’s Leben und muss sich dieser vielleicht nie stellen, sofern beispielsweise ein längeres Aufhalten am Teich vermieden wird. Bei sozialen Phobien – wie der Angst, vor kleineren oder größeren Gruppen zu sprechen – rät der innere Schutzmechanismus   diese Situationen zu meiden („Vermeidungsverhalten“, wie es Psychologen nennen). Im schlimmsten Falle kann daraufhin sogar eine mehr oder minder freiwillige Isolation folgen, die ohne therapeutische Behandlungen nicht mehr zu überwinden ist.
 

Das Dunkle in unserem Leben

 

Inkje / photocase

Inkje / photocase

Depressionen. Alkoholabhängigkeit. Soziale Phobie. So lautet die Top 3 der Hitliste psychischer Leiden. Aus einer Studie des Universitätsklinikum in Bonn geht hervor, dass jährlich acht Prozent aller Männer und elf Prozent aller Frauen in Deutschland erkranken. Dabei sind soziale Phobien häufig sogar die Ursache für weitere Erkrankungen wie Drogensucht und Depressionen. Obwohl sich natürlich nur die wenigsten in Menschenmassen wohlfühlen, gilt es, die Zeichen für eine ernstzunehmende Erkrankung frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln. Beginnt man beispielsweise, Veranstaltungen oder öffentliche Verkehrsmittel pauschal zu vermeiden, ist es vielleicht sinnvoll, über eine Verhaltenstherapie nachzudenken. Diese wird von Krankenkassen gezahlt.

 

Sozial verträglicher hingegen ist die Verlustangst, die von Privatpersonen als eine der am weitesten verbreiteten Ängste angegeben wird. Natürlich ist es völlig verständlich, sich um die Liebsten, den Verlust von Job oder Ansehen zu sorgen. Gesund handelt, wer diese Sorgen verbal teilt und sich vor allem Hilfe in schweren Zeiten sucht. Wächst aber das Gefühl von Einsamkeit oder verallgegenwärtigt  sich die Angst vor dem Verlust, so können die folgen fatal sein: Depressionen, Angstzustände, Panikattacken. Ja, auch Suizid. Tatsächlich ist der häufigste Grund für Suizid oder Suizidgedanken der Verlust eines geliebten Menschen oder der finanziellen oder physischen Unabhängigkeit. So sterben in Deutschland jedes Jahr knapp 10.000 Menschen, Tendenz sinkend. Etwa jeder 100. Todesfall ist ein Suizid. Auch hier gilt: Es ist nie zu früh, um seine Sorge einem Experten anzuvertrauen, oder, im Akutfall, die kostenfreie Telefonnummer der Telefonseelsorge zu wählen.
 

Stress? Angst? Panikzustände? Kenn ich.

 
Sieh’s nicht so ernst. Ach, das wird schon. Mach dir einfach keine Gedanken. Floskeln, die einem häufig begegnen, klagt man anderen seine Sorgen, Ängste oder Nöte. Vielleicht hat man sogar selbst schon eine lapidare Antwort als Trost angeboten, frei nach dem Ausspruch des Philosophen Michel de Montaigne: „In meinem Leben gab es viele schreckliche Ereignisse – glücklicherweise sind nur die wenigsten tatsächlich eingetreten.“ Im Grunde steckt dahinter aber ein gutgemeinter Rat: Die Situation wird verbal zu entschärfen versucht, um ein „Reinsteigern“ und eine Eskalation der Angstzustände zu vermeiden. An sich ein guter Rat und wer gelegentlich Anflüge von Panik, Zittern, kalten Schweißausbrüchen oder Übelkeit in wiederkehrenden Situationen spürt (beispielsweise immer in der vollen Straßenbahn), tut gut daran, diesen Anflügen mit Meditations- oder Konzentrationsübungen frühzeitig entgegen zu wirken.
 
Sich einerseits nicht verrückt zu machen, andererseits die Ängste nicht zu banalisieren, ist ein Balanceakt. Generell gilt, so früh wie möglich die Symptome zu erkennen und ihnen entgegen zu wirken. Ein erster Schritt kann sein, zu verinnerlichen, dass jeder Mensch Furcht kennt – dieses Gefühl also auch zum Alltag und gar zum Menschsein gehört.
 
 
Telefonseelsorge: Tel. 0800 / 111 0 111 oder Tel. 0800 / 111 0 222 (der Anruf ist kostenfrei)

 
— von R. Marx —